Eine Insel in Berlin
Die Fischerinsel
Acht Hektar Land, eingefasst von zwei Flussarmen, mitten in Berlin-Mitte. Die Fischerinsel ist klein genug, um sie in zwanzig Minuten zu umrunden, und groß genug für acht Jahrhunderte Stadtgeschichte. Zehn Blicke auf einen Ort, der Ihnen ans Herz wachsen wird.
Wenige Orte in Berlin haben sich so oft verändert wie dieser. Die acht Hektar am südlichen Ende der Spreeinsel gehörten einst zum ältesten Kern des mittelalterlichen Cölln. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurde das historische Viertel zwischen 1967 und 1973 komplett abgeräumt und durch sechs Wohnhochhäuser der Ost-Moderne ersetzt. Wer heute über die Insel geht, liest die Geschichte mehrerer Jahrhunderte wie übereinandergelegte Folien. Und gleich daneben das DASEYN.
Der Name kommt nicht von ungefähr. Lange bevor Berlin Hauptstadt war, lebten auf dem südlichen Zipfel der Spreeinsel Fischer- und Schifferfamilien, die Fang, Arbeit und Alltag miteinander teilten. Aus diesem sehr alten Berliner Prinzip leiht sich das DASEYN seine Haltung. Das Fischer-Kollektiv ist unser Echo auf eine Gemeinschaft, die einmal genau hier saß.
Bis ins 15. Jahrhundert lebten auf der Insel wohlhabende Fischer und Schiffer. Die Spree war Verkehrsweg und Vorratskammer zugleich, und wer am Wasser saß, saß gut. Nach dem Dreißigjährigen Krieg veränderte sich die Bevölkerung im Viertel und es wurde zum Fischerkiez, einem Quartier der kleinen Leute. Die Insel hat zwei Leben gelebt, ein reiches und ein armes, lange bevor die Hochhäuser kamen.
Die Insel ist klein und hat doch so viel zu bieten. Das Märkische Ufer mit seinen geretteten Bürgerhäusern, das Ufergelände der Friedrichsgracht, die Blickachse zum Berliner Dom und die sechs Wohnhochhäuser aus den frühen Siebzigern, heute längst Zeitkapsel einer eigenen Epoche. Man umrundet das Areal in zwanzig Minuten zu Fuß und hat dabei mehrere Jahrhunderte berührt.
Zwischen zwei Armen der Spree liegt das DASEYN so zentral, wie Berlin zentraler kaum geht, und bleibt dennoch überraschend ruhig. Vom Hoteleingang sind es wenige Schritte bis zum Wasser und etwa 5 Minuten zu Fuß zum Alexanderplatz. Die Insel ist ein Vorzimmer zur ganzen Stadt. Und zugleich ein Rückzug von ihr.
Berlin klingt hier anders, gedämpfter, wasserseitig, wie hinter einem Samtvorhang. Durch das offene Fenster hört man das leise Plätschern der Ausflugsdampfer und das sanfte Schwappen des Wassers ans Ufer. Die Insel hat etwas von einer Bühne kurz vor Vorstellungsbeginn, gespannt und bereit. Das Flair ist nicht museal. Es ist gelebt.
Gleich über die Brücke beginnt die große Stadt. Der Gendarmenmarkt mit seinen beiden Domen liegt wenige Minuten entfernt, die Friedrichstraße mit ihren Schaufenstern ebenfalls. Von der Fischerinsel aus erkunden Sie Berlin in jede Richtung, ob Kreuzberg mit seiner lauten Zärtlichkeit oder Prenzlauer Berg an einem Sonntag. Die Insel ist ein Kreuzungspunkt, von dem aus sich die ganze Stadt öffnet.
Manche Namen kennt nur, wer hier lebt. Die Wallhöfe sind ein stiller Innenhof mit Werkstätten und Kaffeegeruch. Das Ahornblatt war ein kühnes DDR-Bauwerk von Ulrich Müther mit freitragendem Betondach, das 2000 abgerissen wurde und bis heute Gegenstand von Erinnerung und Debatte ist. Unsere Kiezkantine liegt um die Ecke, wo man an langen Tischen isst.
Die Insel erzählt in Funden. Im Sommer 2021 hoben Archäologen hier einen außergewöhnlich gut erhaltenen mittelalterlichen Holzbrunnen aus dem Boden, datiert auf den Beginn des 13. Jahrhunderts und heute ein Zeugnis der Gründungsphase Berlins. Zu den Bewohnern des ausgehenden Mittelalters gehörte der Kaufmann Hans Kohlhase, dem Heinrich von Kleist in seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ ein literarisches Denkmal setzte.
Ein paar hundert Meter flussaufwärts beginnt die Museumsinsel, UNESCO-Welterbe und kulturelles Schwergewicht der Stadt. Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum und Pergamonmuseum bilden zusammen fünf Häuser mit Sammlungen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Gleich gegenüber steht das Humboldt Forum im wiedererrichteten Berliner Schloss. Von der Fischerinsel aus ist alles ein Spaziergang am Wasser entlang. Ein ausgezeichneter Auftakt für einen Tag in Berlin.





